Fragen über KNX und der Einstieg

Allgemeine Fragen rund um die "Smart Home" Hardware/Komponenten

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MrCrashy
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Fragen über KNX und der Einstieg

Beitrag von MrCrashy »

Hallo,
nach langem hin und her haben wir uns entschieden unser Heim mit einer KNX-Anlage nachträglich zu verkabeln. Der Aufwand ist zwar recht groß aber machbar. Ich habe mir viel über KNX durchgelesen und muss sagen dass mir die Funktion der Anlage zusagt.

Ich habe auch verstanden, dass die KNX-Geräte über eine Bus-Leitung kommunizieren. Ich habe es allerdings auch so verstanden, dass die Schaltaktuatoren für Licht, Rollläden etc. nun in dem KNX-Schrank verbaut werden.
Jetzt stellt sich mir allerdings die Frage, ob ich dann für jedes einzelne Licht oder jede einzelne Rollade nun die "normalen" Leitungen vom vorherigen Schalter bis in den KNX-Schrank verlegen muss?

Gibt es andere Lösungen? Hat eventuell jemand schon ein bestehendes Haus mit KNX nachgerüstet und kann mir da ein paar Tipps und Hilfestellungen geben?

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udo1toni
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Re: Fragen über KNX und der Einstieg

Beitrag von udo1toni »

knx ist nicht gut geeignet, um "nachgerüstet" zu werden. Zum Einen brauchst Du an allen Stellen, wo knx gebraucht wird auch eine Anbindung an den Bus, zum anderen sind üblicherweise die Aktoren im Schaltschrank untergebracht, was dann natürlich bedeutet, dass alle Leitungen in den Schaltschrank geführt sein müssen, und zwar direkt.

Es gibt auch verschiedene Aktoren für die Unterputzmontage oder auch für den Leuchten Baldachin, aber es bleibt das Problem des Busses.

Es gibt auch knx PL (PowerLine, verwendet die Stromleitung zur Übertragung der Datenpakete) und knx RF (verwendet Funk), aber beide Systeme sind nicht sehr weit verbreitet und erreichen auch nicht die Zuverlässigkeit einer knx TP (TwistedPair) Installation.

Unterm Strich muss ich Dir als eingefleischter knx Nutzer davon abraten, es sei denn, Du hast eine Kernsanierung oder zumindest eine Grundsanierung der elektrischen Anlage vor. Mein Schaltschrank umfasst 3x3 Felder, wobei jedes Feld aus 3 Reihen á 12 TE besteht. Mein Schrank ist eher klein, der Zähler ist in einem extra Schrank untergebracht. Ich habe noch weitere 36 TE in extra Gehäusen untergebracht, weil der Platz eng wurde. Meine knx Installation ist zwar vollständig, aber ich habe bei weitem nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft - dann hätte ich einen zusätzlichen Raum gebraucht...

Zum Nachrüsten muss ich leider (wie gesagt, ich bin überzeugter knx Nutzer :) ) zu Funklösungen wie Homematic, ZWave oder ZigBee raten. Natürlich erreichen diese nicht die Zuverlässigkeit von knx, aber sie halten den Aufwand wenigstens in vertretbaren Grenzen.
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MrCrashy
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Re: Fragen über KNX und der Einstieg

Beitrag von MrCrashy »

Ok, ich habe schon damit gerechnet, dass ich in jeden Raum eine Bus-Leitung legen muss und einen zusätzlichen "KNX-Verteilerschrank" brauche. Da ich aber nicht jede einzelne Leitung von den Verbrauchern wieder in den Schaltschrank zurücklegen will, ist das natürlich sehr kompliziert.

Der Aufwand vom Bus ist nicht das schlimmste. Wir müssen demnächst sowieso alle Kabelkanäle freilegen, da wir für viele Räume noch extra Anbindungen haben wollen. Der Schrank dürfte auch nicht das Problem sein, da wir einen großen Schaltschrank haben, bzw hätten wir auch Platz für einen separaten Schrank.

Hast du denn schon Erfahrungen mit den Unterputz-Aktuatoren von KNX erfahrungen gemacht?

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udo1toni
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Re: Fragen über KNX und der Einstieg

Beitrag von udo1toni »

Nein, das einzige, was ich hier UP nutze, sind Binäreingänge. Grundsätzlich funktionieren die UP Aktoren aber genauso gut oder schlecht wie solche als REG (ReihenEinbauGerät). Die UP Variante ist aber (sehr viel) teurer als die REG, weil in einem REG gewöhnlich mehrere Aktorkanäle zusammengefasst sind. Man benötigt nur einmal pro REG die Steuerelektronik und die Busanbindung. Ein Busankoppler kostet (wenn man das selbst baut) ca. 25 EUR, das ist also schon eine nicht zu verachtende Menge Geld.

Wenn ich noch mal neu bauen sollte, würde ich verteilt übers Haus mehrere kleinere Schaltschränke verbauen - vielleicht nicht unbedingt in jedem Raum, aber zumindest in jedem Stockwerk und evtl. in Räumen mit vielen Aktorkanälen einen eigenen Schrank. Der kann dann relativ klein ausfallen und die Kabelstrecken bleiben kurz. Nachteil: Strenggenommen muss eine Unterverteilung mit höherem Querschnitt versorgt werden. Wenn man aber ohnehin viel an der Verkabelung ändert, kann das eine gute Alternative sein. Es kommt natürlich auch etwas darauf an, wie viel Du davon selbst erledigen kannst/willst und wie viel Geld zur Verfügung steht - das Ganze ist ja nicht gerade eine Schnäppchen...
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Heiderdaus
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Re: Fragen über KNX und der Einstieg

Beitrag von Heiderdaus »

Ich hab bei mir die Hauptinstallation in einen zentralen Schaltschrank gelegt wo die Aktoren untergebracht sind. D.h. er Aufbau der Elektrik ist komplett anders als bei einer herkömmlichen Installation. Normal gehst du mit einem Stromkabel in den Raum und verteilst dort auf die Schalter und von dort auf das Licht. Bei KNX gehst du von jedem Licht direkt in den Schaltschrank, wo auch immer der untergebracht ist. Die Schalter fährst du ausschliesslich mit dem Buskabel an, dort wird kein Strom benötigt.
Unterputzaktoren habe ich an 3 Stellen im Einsatz, einen von Busch-Jäger und zwei MDT. Funktioniert problemlos, ich würde aber trotzdem davon abraten, den Weg über UP Aktoren zu gehen. Erstens aus Kostengründen, ein Mehrfachaktor im Schaltschrank ist deutlich günstiger als mehrere Unterputzaktoren. Dann kommt noch das Geräusch dazu.. Beide Typen von Aktoren "klicken" sehr deutlich hörbar bei der Aktivierung. Das ist bei mir im Kellerflur egal, ob ich das aber auch im Wohnzimmer so haben will ist eine andere Frage... Und du brauchst in jedem Fall tiefe Dosen und die werden trotzdem sehr voll...
Wenn du den Weg gehen willst über eine zentralen Schaltschrank und die Leitungen eh neu legst dann fahre die Leuchten auf jeden Fall 5adrig an. Dann kannst du die Lichtsteuerung über DALI machen was mehr Freiheiten lässt als KNX. Das war mein Fehler bei der Planung ;-)

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udo1toni
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Re: Fragen über KNX und der Einstieg

Beitrag von udo1toni »

Das ist ohnehin ein guter Rat. NIEMALS mehr weniger als fünf Adern legen, egal wohin. Ja, dreiadrige Leitung ist wesentlich günstiger als fünfadrige Leitung, aber wenn man auch nur einen zweiten Stromkreis braucht, eine geschaltete Steckdose, ein Nachtlicht, whatever... die "übrigen" Adern sind ihr Gewicht in Gold wert... Das bisschen zusätzliche Leitungskosten macht auf ein Haus gerechnet vielleicht 500 € aus, nachträglich eine zusätzliche Leitung legen zu müssen wird ganz schnell vierstellig.

Genauso möchte ich auch empfehlen, grundsätzlich tiefe "Schalterklemmdosen" zu verbauen, ein bisschen Luft hinter der Steckdose oder dem Schalter ist egal, der zusätzliche Platz, wenn man mal etwas nachrüsten muss, spart richtig Geld.
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